Iselin Gundermann

Ernst Freiherr von Mirbach 
und die Kirchen der Kaiserin 

HEFTE DES EVANGELISCHEN KIRCHENBAUVEREINS  

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Web-Fassung: Dr. Hermann Detering


Ernst von Mirbach

[1]  

Ernst von Mirbach und die Kirchen der Kaiserin

 Unter dem Titel „Die drei ersten Kirchen der Kaiserin" gab der Oberhofmeister
Auguste Victorias, Ernst von Mirbach, im Jahre 1901 in Berlin eine umfangreiche
Dokumentation heraus, die die Gründungs- und Baugeschichte der Erlöserkirche
in Rummelsburg, der Himmelfahrtkirche in Gesundbrunnen und der Gnadenkirche
am Invalidenpark belegte 1). Zugleich stellte sie die Arbeit des Evangelisch-Kirch-
lichen Hilfsvereins und des Berliner Kirchenbau-Vereins dar, über die die Kaiserin
das Protektorat übernommen hatte. Ernst von Mirbach war als ihr Vertreter in den
Vorständen beider Vereine tätig. Viele Berliner Kirchen verdanken „seiner ener-
gisch-tatkräftigen und rastlos fleißigen Mitarbeit" (Krummacher, Gedächtnisrede
bei der Trauerfeier) ihre Entstehung. Das Wachstum der alten Reichshauptstadt
Berlin nach 1871 wäre vielerorts anders verlaufen, hätte nicht Mirbach rechtzeitig
Bauplätze für neue Kirchenbauten gesichert, manches kirchliche Gebäude wäre
nicht entstanden, hätte nicht der Evangelische Kirchenbau-Verein, in dessen
Namen Mirbach-Sammlungen durchführte, die Finanzierung gesichert, und
schließlich wäre die Gründung nicht weniger Gemeinden unterblieben, wäre nicht
die Möglichkeit vorhanden gewesen, die entsprechenden Anträge an den Verein zu
stellen, die Errichtung von Andachts- und Gemeinderäumen zu fördern.
Ernst Otto Karl Ludwig Adolf Frhr. von Mirbach wurde vor 150 Jahren, am
24. Dezember 1844 als ältester Sohn des preußischen Regierungsrates Otto
Magnus von Mirbach und seiner aus Darmstadt stammenden Frau Antoinette
Schenck in Düsseldorf geboren.

Mitte der fünfziger Jahre wechselte Otto Magnus von Mirbach als Abteilungs-
dirigent und Stellvertreter des Regierungspräsidenten von Düsseldorf nach Trier,
übernahm aber schon 1856 für kurze Zeit das Amt des Vize-Regierungspräsidenten
von Posen. Die häufigen Versetzungen des Vaters hatten zur Folge, daß Ernst seine
schulische Ausbildung an mehreren Orten erfuhr, so in Darmstadt, Trier, Posen und
schließlich in Berlin, wo er das Abitur ablegte2). Es folgten der Militärdienst beim
Garde-Füsilier-Regiment, dem er nach den Kriegen die Sammlung „Lieder für
Soldaten" (3. Aufl. 1880, 6. Aufl. 1888, 10. Aufl. 1902) widmete3), und die Teil-
nahme an den Feldzügen 1864, 1866 und 1870/71. 1870 lernte er in Bad Godes- 

[2]

berg seine spätere Frau Camilla Orban aus Lüttich kennen. Gemeinsames Interesse
an der deutschen Geschichte habe sie zueinander geführt, schrieb er später über
diese Begegnung4). Nach dem Krieg 1870/71, aus dem Mirbach verwundet heim-
kehrte, heirateten sie. Die Söhne Magnus und Werner wurden 1875 und 1877 in
Berlin, Siegfried 1884 in Potsdam geboren. 1882 übernahm Ernst von Mirbach als
Nachfolger von Leopold von Ende den Posten des Kammerherrn im Hofstaat des
Prinzen Wilhelm von Preußen und tat Dienst bei dessen Gemahlin, der späteren
Kaiserin Auguste Victoria 5). Damit waren die Weichen für Mirbachs Aufstieg bei
Hofe gestellt. Nach der Thronbesteigung Wilhelms II. wurde er 1888 Oberhof-
meister der Kaiserin, ein Amt, das er länger als fünfundzwanzig Jahre versah. Das
Handbuch für den Königlich Preußischen Hof und Staat führt ihn 1914 zum letzten
Mal in dieser Funktion auf. Sein Leben war, nach eigenen Worten, „viel, ja sehr
viel Glück und Freude, inhaltsreich und hochinteressant, aber - Gott sei Dank auch
Mühe und Arbeit und ist deshalb, wie der Psalmist sagt, „köstlich" gewesen" 6).
Die Tätigkeit für wohltätige Belange begann für Mirbach aber nicht erst mit der
Bildung des Berliner Kirchenbau-Vereins. „Als ich im Winter 1881 an den Hof
kam," schrieb er später, „erhielt ich die Weisung, daß ich neben meinen Funktio-
nen als Kammerherr mich vor allem auf den verschiedenen Wohltätigkeitsgebieten
einzuarbeiten, zu wirken und speziell auch für Arbeiten in der evangelischen
Kirche einzutreten hätte. Demgemäß wandte ich meine Tätigkeit zunächst ver-
schiedenen Vereinen in Berlin und Potsdam zu; es entwickelte sich bald eine aus-
gedehnte Korrespondenz in Wohltätigkeits- und kirchlichen Sachen nach allen
Provinzen. Ich gewann so einen Einblick in die Not der unteren Klassen, aber auch
in die Notstände auf kirchlichem Gebiet"7). Sein Interesse für diesen Bereich
scheint durch die neue Tätigkeit erst geweckt worden zu sein, dies jedoch in einem
Maße, daß er sich zum persönlichen Einsatz aufgerufen fühlte und zum eigent-
lichen Motor des Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins und des Berliner Kirchen-
bau-Vereins wurde. Der Umfang seiner Arbeit wuchs nach der Thronbesteigung
Wilhelms II. erheblich an. Als Oberhofmeister oblag ihm die Leitung des Kabinetts
der Kaiserin, er erledigte die Korrespondenzen mit den Behörden, leitete die Ver-
waltung des Vermögens und der Schatulle und war Vertreter der Kaiserin in einzel-
nen der unter ihrem Protektorat stehenden wichtigsten Vereine. Deren Zahl nahm
zu, je mehr Auguste Victoria die kirchliche und Wohltätigkeitsarbeit als den ihr
zustehenden und angemessenen Bereich erkannte und vermehrte Gesuche an sie 

[3]

herangetragen wurden, sich einzelner caritativer Vorhaben zu widmen8). Aber Mir-
bach tat noch mehr: Er stellte sich an die Spitze von Sammlungen und organisierte
sie, er war nicht nur nominell in den Vorständen vieler Vereine, sondern wurde
aktiv tätig. Er berief Zusammenkünfte ein, hielt Ansprachen und übernahm
schließlich auch den Vorsitz des Kirchenbau-Vereins und der eigens für den Bau
der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gebildeten Kommission. Er hatte zu reprä-
sentieren und die Kaiserin auf Reisen zu begleiten; er widmete sich gelegentlich
auch den Kindern des Kaiserpaares. Victoria Luise schildert ihn als humorvollen
gütigen alten Herrn, der es im weiblich bestimmten Hofstaat der Kaiserin nicht
immer ganz leicht gehabt habe9); er schrieb Bücher und stellte Dokumentationen
über den Bau kirchlicher Gebäude zusammen, deren Erlöse wieder dem Kirchen-
bau zugutekommen sollten. Mirbach war immer da, wenn man ihn brauchte. Er
stand der Kaiserin zur Seite, diente ihr vorbehaltlos und wurde zum Sprecher ihrer
Gedanken, ihrer religiösen Gefühle und ihrer auf die Förderung kirchlichen
Lebens gerichteten Wünsche, über die sie selbst sich öffentlich nicht äußerte.
Mirbach liebte seine Arbeit, er genoß den Erfolg und die Anerkennung und war
erhaben über gelegentliche spöttische Äußerungen wegen seines Sammeleifers.
Wenn er sich in einem am 14. Juli 1904 datierten Brief im Zusammenhang mit der
damals um seine Person entstandenen Krise beklagt, daß er den Minister des
Königlichen Hauses seit langem vergeblich um die Wiedereinführung der Stelle
des Kabinettsrats gebeten habe, um sein großes Pensum zu verringern10), so vermag
man diesen Worten nur schwer zu glauben; denn die Oberaufsicht über alle wichti-
gen Entscheidungen wollte er sich nach wie vor persönlich vorbehalten, und das
bedeutete, daß sich seine Arbeit nur unwesentlich vermindert hätte.
Die Geburtsstunde des Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins schlug auf der soge-
nannten Waldersee-Versammlung am 28. November 1887. Die Anregung zu dieser
Veranstaltung ging von Prinz Wilhelm und Prinzessin Auguste Victoria aus, die zur
Linderung kirchlicher Notstände im Lande eine Sammlung beabsichtigten und
Persönlichkeiten aus der Berliner Gesellschaft einladen ließen, von denen man die
Bereitschaft erwarten durfte, in dieser Richtung tätig zu werden. Daß sie im Gene-
ralstabsgebäude, also „bei Waldersee", stattfand, hatte den Grund, daß die Heizung
im Schloß nicht in Ordnung war und sich ein anderer Raum so schnell nicht
beschaffen ließ. Der Leiter der Berliner Stadtmission, Hofprediger Adolf Stoecker,
führt in seinen Erinnerungen aus, daß es schon frühere Versuche gegeben habe,
„Liebestaten" anzuregen, um das Bemühen der Berliner Stadtmission zu unter-

[4]

stützen11). Die Waldersee-Versammlung unterschied sich indessen von ihnen durch
die Zahl ihrer Teilnehmer aus höchsten Kreisen, die Anwesenheit des Prinzen-
paares und eine Rede Wilhelms II., mit der er zum Einsatz gegen die geistliche
Verwahrlosung der Massen in der Stadt aufrief, um hierdurch der von seilen der
Sozialdemokratie und des Anarchismus drohenden Gefahr entgegenzutreten. -
Daß die Waldersee-Versammlung von der Presse scharf kritisiert wurde, hatte poli-
tische Hintergründe, die hier nicht zu erörtern sind. Vor allem war Adolf Stoecker
Angriffen und Verdächtigungen ausgesetzt, es handele sich um eine „reaktionäre,
kirchlich-orthodoxe Verschwörung", die sich des Prinzenpaares zu bemächtigen
versuche. Den Fortgang der Entwicklung beeinflußten diese Unterstellungen nicht.
Wilhelm II. trat ihnen mit den Worten entgegen, er werde sich nicht abhalten las-
sen, dem Vorbilde des erhabenen Kaisers (Wilhelm I.) und seines teuren Vaters zu
folgen, um unbeirrt von politischen Parteibestrebungen stets zur Hebung des
Wohles aller Notleidenden nach Kräften beizutragen.

Im Einvernehmen mit Stoecker und Waldersee hatte Mirbach die Versammlung
vorbereitet; er übernahm nun auch die Aufgabe, an einflußreiche, kirchlich gesinn-
te Leute zu schreiben, um sie zu Spenden an ein kirchliches Hilfskomitee zu ver-
anlassen. Obwohl die allgemeine Zustimmung groß war, mußte sich Mirbach ein-
gestehen, daß Ziele und Aufgaben des geplanten Komitees und sein Verhältnis zur
Stadtmission zu vage formuliert waren und daß es einer verantwortlichen Leitung
bedurfte. So kam es im April 1888 nach vielen Gesprächen und Überlegungen zur
Bildung des Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins, dessen Vorsitz der brandenbur-
gische Landesdirektor Albert von Levetzow übernahm. Die konstituierende Ver-
sammlung fand am 28. Mai 1888 im damaligen Reichstagsgebäude in der Leip-
ziger Straße statt. Alle deutschen Provinzen waren durch Abgesandte vertreten.
Von Anfang an strebte der Verein danach, seine Arbeit unabhängig von kirch-
lichem Streit durchzuführen und sich auch nicht durch Angriffe, etwa in der Pres-
se, beirren zu lassen. Er verstand sich nicht als Konkurrenz zur Inneren Mission
oder zu anderen kirchlichen Einrichtungen. Der Bau von Kirchen zählte zu seinen
Vorhaben, war aber nicht das einzige Ziel, und die Aufgabe, hier gerecht abzuwä-
gen und nicht Berlin allein zu bedenken, da ein großer Teil der Spenden aus den
Provinzen kam, mußte vor allem gelöst werden. Es gab sachliche Diskussionen:
Man könnte die kirchliche Versorgung in der wachsenden Reichshauptstadt durch
zusätzliche Stadtmissionare organisieren, hieß es auf der einen Seite; man sollte
neue Gemeinden bilden und den Bau ihrer Gotteshäuser unterstützen, forderte die
andere Gruppe. Die Kirchennot in Berlin aber wurde nicht bezweifelt; sie blieb das
vorrangige Problem. So kam es 1890 zur Bildung einer Kirchenbau-Kommission.

[5]

Aus ihr entwickelte sich der Kirchenbau-Verein, in dem Mirbach sein weites
Tätigkeitsfeld fand. Sichtbarer Ausdruck der Entscheidung des Evangelisch-Kirch-
lichen Hilfsvereins für den Berliner Kirchenbau waren die Grundsteinlegungen zu
den „drei ersten Kirchen der Kaiserin". Auch sie war, wie Mirbach in seinen
Schriften immer wieder betonte, nicht gegen die Stadtmission gerichtet. Seelsorge
und Diakonie sollten in diesen neuen Gebäuden ihre Mittelpunkte finden. Die
Erlöserkirche in Rummelsburg mit ihren Gemeindebauten stand am Beginn der
Entwicklung.

Erloserkirche in Rummelsburg

Mit Genehmigung Kaiser Friedrichs III. hatte die Kronprinzessin Auguste Victoria
am 4. Mai 1888 das Protektorat über den Evangelisch-Kirchlichen Hilfsverein
übernommen. Als sich am 2. Mai 1890 aus der Kirchenbau-Kommission des
Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins der Kirchenbau-Verein für Berlin bildete, zu
dessen Protektorin sich Auguste Victoria gleichfalls berufen ließ, tat sie es schon
als Kaiserin und Königin. Ihr Handschreiben an den Vorstand des Berliner Evan-
gelischen Kirchenbau-Vereins ist am 15. Mai 1890 datiert. Ernst von Mirbach wird
dann als Vertreter der Kaiserin im Vorstand ernannt, eine Funktion, die er bereits
für den Evangelisch-Kirchlichen Hilfsverein wahrnahm. Der Kirchenbau wurde,
so schrieb er einmal, sein eigentlicher Beruf. Schon bei der konstituierenden Ver-
sammlung am 2. Mai 1890 im Brandenburgischen Ständehaus in der Matthäikirch-[6]

 

 Kaiserin  Auguste Victoria

 Straße 21 am Tiergarten hielt er das Grundsatzreferat12). Darin führte er aus:
„Es wird die Hauptaufgabe des Kirchenbau-Vereins sein, in alle, namentlich die
maßgebenden Kreise, in alle Parteien das Verständnis und das Interesse für die Not
hineinzutragen und die Freudigkeit zum Helfen anzuregen. Der Notschrei muß ein
allgemeiner werden. In zwei oder drei Gemeinden kann die Arbeit sofort beginnen.
Unsere Mitglieder müssen sich mit den Gemeindevertretungen in Verbindung set-
zen, in den Gemeinden die Stimmung wecken und gewinnen, die Sammlung von
Gaben bei Reich und Arm veranlassen. Magistrat und Fiskus werden um Bauplät-
ze, der Staat, Kreissynoden und reiche Gemeinden um Mittel angegangen, das 

[7]

 

 Himmelfahrtkirche am Gesundbrunnen

 

Konsistorium wird die großen Parochien teilen, die kleinen verschmelzen oder
vergrößern. Mit einem Wort, hier bietet sich dem Verein ein Feld anregendster
Wirksamkeit und erfolgreicher Tätigkeit. Aber gleichzeitig wird er auch Mittel
sammeln müssen, um namentlich die armen Gemeinden zu unterstützen. Denn auf
Privathilfe sind wir angewiesen, so lange bis wenigstens der allergrößte Notstand
beseitigt ist. Daß wir aber diese Hilfe in reichem Maße bei unseren Mitbürgern fin-
den, zeigen Ihnen die für die drei Kirchen in kurzer Zeit und ohne besondere Anre-
gung eingegangenen Gaben. [Gemeint sind die Erlöserkirche in Rummelsburg, die
Himmelfahrtkirche in Gesundbrunnen und die Gnadenkirche am Invalidenpark.]
Würde der Verein in zehn bis zwölf Jahren nur eine Million aufbringen, so können
wir bei energischer Tätigkeit auf die zweite und dritte Million und mehr von Seiten
des Staates, der Kreissynoden, der Stadt und der Gemeinden mit Bestimmtheit
rechnen, und damit ist der Bau von 12 bis 15 Kirchen sichergestellt." Zweck des 

[8] 

Gnadenkirche im Invalidenpark

 

Vereins war also, die Errichtung von evangelischen Kirchen und anderen kirch-
lichen Gebäuden sowie die Gründung neuer landeskirchlicher Gemeinden im
Generalsuperintendenturbezirk Berlin zu fördern. Der Vorstand setzte sich im Jahr
der Vereinsgründung aus 18 von der Generalversammlung gewählten Mitgliedern
zusammen; das 19. Mitglied wurde nicht gewählt, sondern von der Kaiserin
ernannt: Das war Ernst von Mirbach. Die jährlichen Berichte zeigen das schnelle
Anwachsen der Tätigkeiten des Vereins. Bereits ein Jahr nach seiner Gründung
wurden vier Berliner Kirchenbauten gefördert: in der Heiligkreuz-Gemeinde, in
der Bartholomäus-Gemeinde, in der Markus-Gemeinde und die Kaiser-Wilhelm-
Gedächtniskirche, die allerdings eine Besonderheit innerhalb des Programms dar-
stellte und blieb; Pläne bestanden für Elisabeth, Simeon, St. Georgen, St. Paul, für
Schöneberg , Friedenau und Luckenwalde. Freiwillige größere und kleinere Spen-
den kamen herein. Begüterte Persönlichkeiten wurden angesprochen, Gemeinden 

[9]

zu Sammlungen angeregt. Von Anfang an beklagte Mirbach die Schwerfälligkeiten
und Hemmnisse in der Organisation, die er sich durchsichtiger, schneller und
effektiver wünschte, um sein Ziel zu erreichen.

Der Gedanke, daß durch kirchliche Bauten und Gemeindegründungen der Not in
der Bevölkerung entgegengewirkt werden sollte, stand bei einem Kirchenbau
nicht im Vordergrund: der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Der Plan für
einen solchen Erinnerungsbau an den alten Kaiser stammte nicht von Mirbach,
sondern von dem Berliner Kaufmann Richard von Hardt, einem Mitglied des Ber-
liner Kirchenbau-Vereins, aber für Mirbach gab es bald kein größeres Ziel als seine
Vollendung in einzigartiger Vollkommenheit. Innerhalb und außerhalb Berlins
wurde für dieses Denkmal gesammelt. Die Stadt Charlottenburg schenkte den Bau-
platz; hinsichtlich der Verkehrsplanungen waren die Gesellschaften zu Zugeständ-
nissen bereit; die ursprünglich für die Aufstellung eines Obelisken auf dem Pots-
damer Platz zusammengetragenen Geldmittel sollten für die Gedächtniskirche ver-
braucht werden; von der Charlottenburger Parochie, einer der reichsten im
Umkreis Berlins, durften größere Spenden erwartet werden. Es bestanden mithin
die besten Voraussetzungen, um, wie es im Aufruf heißt, mit der Kaiser-Wilhelm-
Gedächtniskirche „ein Jahrhunderten redendes Zeugnis von der Verehrung, Liebe
und Treue der Zeitgenossen gegen den unvergleichlichen Herrscher, der uns
menschlich nahe gestanden hat und künftigen Geschlechtern in der Entfernung der
Zeiten über das Maß des Irdischen groß erscheinen wird", zu schaffen13).
Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche war Mirbachs „Lieblings- und Sorgen-
kind", und während nach der Grundsteinlegung am Palmsonntag 1891 seine Vor-
stellungen von ihrer Pracht kaum Grenzen kannten, wünschte er sie sich angesichts
der wachsenden Anzahl sonstiger Kirchenbauprojekte im Bericht 1892 im Sinne
der einfachen und edlen Art des alten Kaisers „nicht überladen und luxuriös".
Gespart wurde an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche jedoch nicht. Aber was
für sie galt, war nicht auf jene Gotteshäuser zu übertragen, die in den Arbeitervier-
teln entstanden und Begegnungsstätten für alle werden sollten. So heißt es in dem
Bericht vor der Generalversammlung des Kirchenbau-Vereins: „Aber es müssen
von jetzt ab billige Kirchen gebaut werden." Es sei kein Zweifel, daß eine Stadt
wie Berlin eine Anzahl schöner Kirchen besitzen müsse, aber je mehr sich das all-
gemeine Interesse auf die Kirchbau-Bewegung richte, desto stärker sei das Bedürf-
nis, das gesamte Gemeindeleben anzuregen, d.h. mit der Kirche das Gemeindehaus
zu verbinden und Säle für Frauen- und Männer-Vereine, Konfirmanden-, Sitzungs-
säle, Diakonissen-, Gemeinde-Pflegestationen etc. zu errichten. Die zur Verfügung
stehenden Mittel mußten also gerecht verteilt werden. Muster für derartige 

[10]

Gemeindezentren legten am Ende dieser Sitzung 1892 die Architekten Schwechten
und Doflein vor. So wurde immerhin der Versuch unternommen, darüber nachzu-
denken, ob es gut war, wie bisher die oft unter Opfern zusammengebrachten Bau-
summen für allzu aufwendige Bauwerke zu verbrauchen. Die Rummelsburger Vor-
stadtgemeinde mit ihrer Erlöserkirche, die der Evangelisch-Kirchliche Hilfsverein
gefördert hatte, konnte als nachahmenswertes Beispiel gelten. Mirbach erntete mit
seiner Gemeindehaus-Idee jedoch auch Widerspruch: Hatte es Sinn, so fragte
z. B. ein Mitglied des Kirchenbau-Vereins, Gemeindehäuser zu bauen, wenn die
Gemeinde noch gar nicht existierte? Bei allen Diskussionen, von deren Verlauf die
Vereinsprotokolle ein beredtes Zeugnis ablegen, gelang es Mirbach stets, die
Begeisterung der Versammelten wachzuhalten und die Spendefreudigkeit immer
wieder zu beleben.

Ende 1896 stellte Mirbach eine Denkschrift über die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-
kirche zusammen, die er als Beitrag zur Geschichte dieses Gebäudes, des Evange-
lisch-Kirchlichen Hilfsvereins, des Kirchenbau-Vereins und als Erinnerung an ver-
storbene Förderer für das Werk verstanden wissen wollte14). Er mußte zugeben, daß
die 1890 ursprünglich veranschlagten Baukosten mit 650.000,- Mark ohne
Inneneinrichtung durch Veränderungen am Entwurf des Architekten Franz
Schwechten nach Baubeginn in einem kaum noch vertretbaren Maße angestiegen
waren: 1894 schätzte man noch, daß die Kirche 2.200.000,- Mark und ihre
Inneneinrichtung 500.000,- Mark kosten würden. Nach ihrer Einweihung am
1. September 1895 lag die Endabrechnung des Architekten und aller Nebenkosten
vor; sie belief sich auf 3.443.684,- Mark, für die der Kirchenbau-Verein aufzu-
kommen hatte. Damit sei, so heißt es in Mirbachs Denkschrift, der vollständige
Ausbau der Kirche noch nicht beendet. Die bemalten Decken im Innern sollten auf
die Dauer durch Mosaiken ersetzt werden. Auch die Gedächtnishalle sei unvollen-
det, solange der Schmuck der Reliefs und Mosaiken fehlte. Überschlägig geschätzt
seien noch einmal l .500.000,- Mark erforderlich, bis das Gebäude in allen seinen
Teilen baulich vollendet und ausgestattet war. Mirbach war sich bewußt, daß das
„frisch drauf los bauen" „ohne jegliche fertig abgeschlossenen, geprüften und
genehmigten Pläne und Kostenanschläge" „nicht als mustergültiges Vorbild hinge-
stellt werden konnte". Doch, so fährt er fort, „hätte man ordnungs- und vor-
schriftsmäßig die fertigen genauen Pläne und Kostenanschläge abgewartet, so war
es bei den vielen in Berlin zu lösenden Aufgaben und den dadurch berechtigten
Sorgen und Bedenken als gänzlich ausgeschlossen anzusehen, daß ein Plan ange-
nommen worden wäre, welcher eine Bausumme von einer bis ein und einer halben
Million überstieg, eine Summe, welche 1896 bei Abschluß des Baues allein den
Wert der inneren Einrichtung darstellte." Mirbach war zuversichtlich, die noch

[11]

[12]

fehlenden beträchtlichen Mittel für den Bau ohne Schwierigkeiten zusammenzu-
bringen. Eine Gemeinde hatte die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche 1896 nicht.
Sie blieb daher vorerst Eigentum des Kirchenbau-Vereins, der deshalb auch für die
entstehenden Unkosten aufzukommen hatte bzw. dafür sorgte, daß für ihre Benut-
zung für Gottesdienste, Konzerte, Chorproben etc. eine Gebühr entrichtet wurde.
Sollte es einmal zur Bildung einer Parochie kommen, mußten auch ein Pfarrhaus
und Gemeinderäume vorhanden sein. Obwohl die Bürde für den Verein dadurch
noch vergrößert wurde und die Einrichtung eines Gemeindezentrums sicher mehr
Beifall gefunden hätte, lenkte Mirbach bei der nächsten Generalversammlung des
Vereins am 29. April 1897 in nicht nachlassendem Optimismus die Aufmerksam-
keit der Mitglieder erneut auf den weiteren Innenausbau der Kirche: „Wer wissen
möchte, wie man das schönste Denkmal des Kaisers würdig schmücken soll, der
gehe nach Ravenna und Sizilien und sehe sich an. wie unsere alten Deutschen, die
Ostgoten, die Normannen, die kunstsinnigen Hohenstaufen ihre hehren Gotteshäu-
ser zu einem vollendeten, glänzenden und doch harmonischen Kunstwerke gestal-
teten...15)

Nicht erst seit der prunkvollen Einweihung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
1895, jedoch von diesem Zeitpunkt an in zunehmendem Maße, sah sich Mirbach
geheimer und später auch offener Kritik ausgesetzt. Sie wäre vielleicht noch herber
ausgefallen, hätte nicht der Respekt vor der Kaiserin Zurückhaltung auch gegen-
über dem von ihrem Vertrauen getragenen Oberhofmeister geboten. Wenn die
Angriffe gegen ihn und die Sammlungen für den Kirchenbau vor allem der Sozial-
demokratie angelastet wurden, so kamen doch ebenso kritische Bedenken aus der
Umgebung des Hofes und aus dem Kreise der höheren Verwaltungsbeamten. Es
kam zu einer Pressekampagne mit stark politisch durchsetzten Argumenten, die
Mirbachs Stellung gefährdete und ohne die Vermittlung der Kaiserin 1904 zu sei-
nem Sturz geführt hätte. Er hatte, wenn es um seinen Kirchenbau-Verein ging, sich
nicht gescheut, auch freisinnige, liberal denkende und kirchlich nicht gebundene
Persönlichkeiten um Spenden zu ersuchen. So wurde jetzt das böse Wort „Juden-
geld" von der Presse hochgespielt. Mirbach äußerte sich zu diesem Vorwurf:
„Wenn früher von Juden zu guten Zwecken wenig oder nichts gegeben wurde,
dann wurden sie von jener Seite beschimpft. Wenn sie jetzt etwas geben, dann
beschimpft man sie und die, welche die Gaben annehmen, noch mehr"16).
Im Bericht vor der Generalversammlung des Kirchenbau-Vereins hatte Mirbach
1902 den Wunsch geäußert, große Teile der Mosaiken des Innenraums der Kaiser-
Wilhelm-Gedächtniskirche zur Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares am 27. Fe-
bruar 1906 zu vollenden17). Der Vorstand beschloß hierauf die Veröffentlichung 

[13]

eines Aufrufs an seine Mitglieder und Freunde des Vereins mit der Bitte, „durch
Zuwendung einmaliger größerer Gaben, deren Verzeichnis Ihren Majestäten dem
Kaiser und der Kaiserin überreicht werden soll", die Finanzierung der Mosaiken zu
ermöglichen. Mit diesem Aufruf wandte sich Mirbach unter dem Datum des l. Mai
1902 direkt an die Oberpräsidenten der preußischen Provinzen und benutzte den
Briefkopf „Kabinett Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin", so daß der Eindruck
erweckt wurde, als spreche er in dieser Stellung. Als der Preußische Innenminister
Mirbachs Aufruf erhielt, verstand er ihn auch so, daß die Oberpräsidenten für seine
Bekanntmachung sorgen sollten und leitete ihn befürwortend an sie weiter. Die
Oberpräsidenten verteilten ihn an einflußreiche Persönlichkeiten, z.B. - wie in der
Rheinprovinz - an die Regierungspräsidenten, die ihrerseits die Landräte unter-
richteten, welche Komitees gründen sollten, die die Sammlungen in die Hand nah-
men. Der Kreis der Beteiligten wuchs an, und die Vertraulichkeit des Vorgehens,
die Mirbachs Wunsch ursprünglich gewesen war, konnte nicht mehr gewährleistet
werden. Bedenken gegen die beabsichtigte Nennung der Spender wurden laut. Im
Rheinland fragte man, weshalb für eine Berliner Kirche gesammelt werden sollte,
und warum sollte man für eine evangelische Kirche spenden? Die Reaktion auf das
von Ungeschicklichkeiten und unglücklichen Zufällen begleitete Vorhaben Mir-
bachs war lebhaft und nahm, von anschwellenden Pressestimmen unterstützt, an
Härte zu. Die überlieferten Quellen vermitteln den Eindruck, als habe Mirbach den
Grund der Unruhe gar nicht verstanden; denn als er seinerzeit die ersten Gelder für
den Bau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche sammelte, sei er - so seine Entgeg-
nung - nicht anders vorgegangen. Aber die Zeiten hatten sich geändert.
Während es damals darum ging, sich an einer Denkmalskirche für den alten Kaiser
zu beteiligen, mußte sich der jetzige Spendenaufruf für die Silberhochzeit
Wilhelm H. und seiner Gemahlin aufmerksame Prüfungen gefallen lassen, und
deren Ergebnis hatte keineswegs einhellige Zustimmung zur Folge. Was als Geste
und Geschenk für Wilhelm und Auguste Victoria gedacht war, geriet in die Schlag-
zeilen und kam jetzt auch dem Kaiser zur Kenntnis. Dessen erste Reaktion zeigt
sich in einer Randbemerkung: „... ohne uns jemals überhaupt gefragt zu haben"!
Der Oberstkämmerer des Kaisers, Fürst zu Solms-Baruth, wies in seinem Bericht
an Wilhelm II. am 5. Juli 1904 darauf hin, daß Mirbach den Anschein einer vorge-
setzten Staatsbehörde erweckt habe. Die Geber seien durch Mirbachs Aufruf in
eine Situation gebracht worden, welche die Freiwilligkeit der Entschließung so gut
wie aufgehoben habe. „Das Verhalten des Freiherrn von Mirbach hat denn auch,
nachdem durch einen Artikel der Rheinisch-Westfälischen Zeitung die Angelegen-
heit zur Sprache gebracht war, in der Presse allgemeine Verurteilung gefunden, 

[14]

nicht nur bei den Blättern des linken Flügels, sondern auch bei den Blättern des
Centrums und der Rechten..."

Die Angriffe gegen Mirbach hatten aber noch einen anderen Grund. Bei der Verlei-
hung von Titeln und Orden war er gelegentlich als Fürsprecher aufgetreten, was
seine Gegner jetzt einseitig als Gegenleistung für größere Spenden deuteten und
in scharfer verletzender Form in der Öffentlichkeit bekannt machten. In diesen
Zusammenhang gehörte auch der gegen ihn gerichtete Verdacht, Mittel von der um
die Jahrhundertwende in Schwierigkeiten geratenen Pommerschen Hypotheken-
bank entgegengenommen zu haben. Im Prozeß gegen die Pommernbank, wo er als
Zeuge aussagte, konnte ihm persönlich zwar nichts nachgewiesen werden, aber der
Verbleib von 325.000,- Mark, für die er quittiert hatte, ohne die Spende jemals zu
empfangen, war nicht aufzuklären.

Am 5. Juli 1904, als der Oberstkämmerer Solms-Baruth den Bericht an den Kaiser
niederschrieb und durch zahlreiche Belege zur fatalen Wirkung des Spendenauf-
rufs ergänzte, verfaßte Mirbach nach einem Gespräch mit ihm wegen der gegen
ihn erhobenen Vorwürfe sein Abschiedsgesuch. Er gestand ein, daß „auch einige
Fehlgriffe meinerseits dazu beitragen, daß eine Preßhetze in solchem Umfange
entstehen konnte." Da ein Ende der unangenehmen Auseinandersetzungen nicht
abzusehen sei, vielmehr befürchtet werden müsse, „daß durch die fortwährenden
gegen meine Person gerichteten Angriffe und Verdächtigungen der Hof in Mit-
leidenschaft gezogen" würde, habe er diesen Entschluß gefaßt und bitte um seine
Entlassung.

Zur Front der Gegner Mirbachs gehörten auch Mitglieder des Staatsministeriums.
Der Reichskanzler von Bülow hielt das Ausscheiden Mirbachs aus seinen Hof-
ämtern für politisch dringend geboten und antwortete in diesem Sinne dem Kaiser;
auch der Chef des Geheimen Zivilkabinetts, Lucanus, brachte in seinem Schreiben
an Wilhelm II. ebenso deutliche Vorbehalte gegen Mirbachs Verbleiben im Amt
zum Ausdruck. In keinem der Briefe finden sich jedoch abfällige Äußerungen
gegen die Persönlichkeit Mirbachs, dessen Unternehmungsgeist, hervorragende
Leistungen auf dem Gebiet der christlichen Nächstenliebe uneingeschränkt und
allgemein anerkannt werden. Unvorsichtigkeiten, mangelnde Kenntnis des politi-
schen Lebens, „die oft nicht einwandfreie Art, wie er seine Sammlungen betrieben
hat", die unglückliche Auswahl und persönliche Bewertung von Geldgebern, das
Einsetzen seines amtlichen Einflusses zur Förderung seiner Bestrebungen, sein
Finanzgebaren, das oft die nötige Vorsicht vermissen ließ - all dieses, so Bülow,
habe ihn kompromittiert und den Gegnern reiches Material in die Hand gespielt.
Die uneigennützige, aber irre gegangene Wirksamkeit sei in politischer Hinsicht
im hohen Grade schädlich gewesen.

Wenn sich der Reichskanzler dabei auf die Zustimmung des preußischen Kultus-
ministers und des preußischen Finanzministers berief, auf zwei Persönlichkeiten [15]

also, mit denen Mirbach in engem Kontakt gestanden und sich mit ihnen (insbe-
sondere mit dem Kultusminister) in Übereinstimmung gesehen hatte, so erlebte er
in diesen Tagen des August 1904 tiefe menschliche Enttäuschungen. Aber Mirbach
fand auch Fürsprecher. Zu ihnen gehörte der Oberhofprediger von Dryander, der in
einem Zeitungsartikel die Unbedachtsamkeiten durchaus nicht in Abrede stellte,
doch darauf hinwies, daß mit dem Rücktritt Mirbachs nicht ein „unmoralisches
System", das nie und nirgend existiert habe, beseitigt würde, sondern die Fürsorge-
arbeit für die Not der Kirche und der Armen und Elenden empfindlich und auf
lange Zeit geschädigt werde.

Kaiser Wilhelm II. lehnte das Abschiedsgesuch Mirbachs ab. In welchem Maße die
Kaiserin für Mirbach eingetreten war, geht aus den „Denkwürdigkeiten" Bülows
hervor, der ihren Brief als Faksimile wiedergibt und seinen Wortlaut zitiert18):
„Gewiß wäre es bequemer und würde Vielen den Mund stopfen. Ich gebe zu, daß
Mirbach manche Fehler gemacht hat. Die Sammelwuth, zum Besten der guten
Sache, hat ihn zu weit geführt insofern er zu leichtgläubig war, u. an alle Menschen
(auch an solche, die es nicht immer verdienten) mit zu viel Vertrauen herangetreten
ist; anständige Ansichten voraussetzend, die nicht vorhanden waren. Dies ist nicht
Weltklugheit." Die Kaiserin hielt es für „unvornehm", für schwach und undankbar,
einen Mann zu entlassen, dessen Liebestätigkeit dem Ansehen des Kaiserhauses
gegolten und der ihr auch in persönlichen Nöten geholfen hatte. Sie stellte es dem
Reichskanzler anheim, Mirbach zu veranlassen, seine Vereinstätigkeit niederzule-
gen. Für diesen Kompromiß hatte sie sich das Einverständnis des Kaisers einge-
holt; Mirbach aus ihrer Umgebung zu entfernen, weigerte sie sich entschieden. Der
zitierte Brief hat ein Postskriptum: „Dieser Brief ist von keinem beeinflußt, Mir-
bach weiß nicht, daß ich ihn geschrieben habe. Es steht Ihnen frei, dem Kaiser
davon Kenntniß zu machen." Mirbach blieb bei Hofe, mußte aber tiefgreifende
Veränderungen seiner Tätigkeit annehmen, vor allem die Trennung des Oberhof-
meisteramts von den Kabinettsgeschäften der Kaiserin, die nicht mehr zu seinen
Aufgaben gehörten. Während er am 14. Juli 1904 in Cadinen Vorschläge für eine
künftige Gestaltung des Hofmeisteramtes niedergeschrieben und dabei selbst an
die Beschäftigung eines Kabinettsrats erinnert hatte, der dem Oberhofmeister zwar
unterstellt werden, diesem aber einen großen Teil seiner Geschäfte abnehmen soll-
te, scheint er, trotz des vorangegangenen Entlassungsgesuchs, die für ihn persön-
lich wünschenswerte Form der Arbeitsweise im Kabinett der Kaiserin geschildert
zu haben. Was ihm aber jetzt übertragen wurde, war nur noch ein Teil seiner
ursprünglichen Tätigkeit, die er stets als zum Oberhofmeisteramt gehörend
betrachtet hatte. Am meisten kränkte ihn die Abgabe der Privatschatulle der Kaise-

[16]

 

Cadinen/Ostpreußen

 rin. „Warum ich aber sogar in allen persönlichen Angelegenheiten der Kaiserin,
Toiletten, Schmucksachen, Geschenke und dergl. die Verwaltung nicht führen soll,
ist wirklich nicht einzusehen, und es handelt sich hier um etwas, wo ich weiß, daß
es I.M. besonders daran liegt, dies in meinen Händen zu lassen," schrieb er und
setzte hinzu, daß er wohl „zu einer vollständigen Null" gemacht werden solle19).
Hierüber hatte er offensichtlich mit der Kaiserin gesprochen; denn es findet sich in
den Akten des Geheimen Zivilkabinetts ein kurzes Schreiben von ihrer Hand an
Lucanus mit folgendem Wortlaut: „Herr von Mirbach behalte denn meine Privat-
schatulle. Das ist mir aus vielen Gründen angenehmer als irgendein fremder Herr."
Da Mirbach so viel abgegeben habe, könne wirklich keine Schwierigkeit in dieser
Hinsicht herrschen. Aber Auguste Victoria setzte sich nicht durch. Die Handbücher
für den Königlich Preußischen Hof und Staat zeigen seit 1905 die Veränderungen
in der personellen Zusammensetzung ihres Hofstaats. Mirbach war nicht mehr Ver-
walter der Schatulle der Kaiserin. Dr. v. Behr-Pinnow wurde zum Kammerherrn
und Kabinettssekretär ernannt und mit der SchatullVerwaltung betraut; 1912 wurde
er durch Freiherrn Hugo von Spitzemberg abgelöst.
Auf der Generalversammlung am 25. März 1903 hatte Mirbach einen Rückblick 

[17]

auf die Tätigkeit des Kirchenbau-Vereins seit seiner Gründung gegeben und auch
die noch vom Evangelisch-Kirchlichen Hilfsverein geförderten Bauten berück-
sichtigt. Er zog damit eine Bilanz seiner eigenen fünfzehnjährigen Arbeit, die sich
in Berlin mit seinen vielen neuen Kirchen am besten erkennen ließ. Von den 53
neuen Gotteshäusern in und um Berlin, die bis dahin eingeweiht worden waren,
hatte die Kaiserin über 39 das Patronat übernommen: Über die Kapelle des Paul-
Gerhardtstifts, die Erlöserkirche in Rummelsburg, die Segenskirche in Reinicken-
dorf, die Nazareth-, Himmelfahrt-, Immanuelkirche, Kirche zum guten Hirten,
Christus-, Versöhnungs- und Samariterkirche, die Kapelle des Elisabeth-Kinder-
hospitals, die Apostel-Paulus-, Gnaden-, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-, die Kaiser-
Friedrich-Gedächtnis-, die St. Simeon-, Trinitatis-, Kapernaum-, Martha-, Tabor-,
Nathanael-, Stephanuskirche; die St. Petri- und St. Jakobikirche in Luckenwalde;
die Pfingstkirche und Erlöserkirche in Potsdam; die Genezarethkirche in Erkner,
die Verklärungskirche in Adlershof, die Bethlehemkirche in Neuendorf, die Kirche
des Oberlinhauses in Nowawes, die Bethanienkirche in Neu-Weißensee, die Kirch-
bauten in Grünau, Friedrichshagen, Bornim, Lichtenberg, Lankwitz, Grunewald
und Eichwalde, sowie die drei Kirchen in Groß-Lichterfelde. Mit Unterstützung
des Kirchenbau-Vereins waren die Kirchen in Erkner, Alt-Weißensee, Plön, Spey-
er, Ockenhausen, Jucha, Mangschütz, Logau, Hohendodeleben, Langfuhr, Hohen-
felde, Isenstadt, Dt. Koschmin, Schwiebus, Honnef, Mückenburg, Rynarschewo,
Niedergörsdorf, Zoppot, Homburg, Zielenzig, Adlershof, Reichenberg b. Batzlow,
Prausnitz, Schidlitz, Heinersbrück, Neuendorf bei Potsdam, Groß-Lichterfelde,
Thale, Idstedt, Gerolstein, Bernsee, Althütte, Schnathorst, Bärenklau u.a. errichtet
worden. Und schließlich war auch noch an die Beteiligung des Vereins an kirchli-
chen Gebäuden in Venedig, Florenz, Konstantinopel, Bethlehem, Jerusalem, Jaffa
und Smyrna zu erinnern. Drei Einweihungen gab es 1903 zu feiern: in Bornim am
11. Juni (in Anwesenheit der Kaiserin), in Friedrichshagen am 14. Juni und in
Schöneberg am Reformationstag (31. Oktober). So erwies sich dieses Jahr als über-
aus erfolgreich, rechnete man die Grundsteinlegungen der Glaubenskirche in Lich-
tenberg (14. Mai), der Taborkirche in Kreuzberg (1. Juni) und der Genezarethkir-
che in Rixdorf (3. September) hinzu20).

In den letzten zehn Jahren seines Dienstes bei Hofe hielt sich Mirbach an seine
Zusage, strikte Zurückhaltung zu üben. Das betraf auch die Tätigkeit im Kirchen-
bau-Verein, dessen Versammlungsprotokolle seit seinem Rücktritt von den Ämtern
in kirchlichen und gemeinnützigen Vereinen von nun an nur als knappe Überblicke
im Kirchlichen Jahrbuch abgedruckt wurden. Die letzte Generalversammlung vor
der Krise im Juli und August 1904 fand am 16. März 1904 wie üblich im Landes-
haus der Provinz Brandenburg, Matthäikirchstraße 21, statt. Die Bauten in Jerusa-

[18]

Ölberg bei Jerusalem

 

lern, deren Errichtung das deutsche Kaiserpaar während seiner Orientreise 1898
zugesagt hatte, wurden in die Überlegungen des Kirchenbau-Vereins aufgenom-
men, nachdem durch eine Satzungsänderung 1903 hierfür auch die rechtlichen
Grundlagen bestanden. Es war aber Mirbach zu danken, daß es nach 1898 nicht bei
einem Versprechen geblieben war, sondern daß es über das Auswärtige Amt mög-
lich wurde, am Olberg ein Grundstück zu erwerben, dessen Preis trotz der guten
Lage erschwinglich blieb21). Hier sollten mit Unterstützung des Kirchenbau-Ver-
eins ein Erholungsheim, ein neues Johanniterhospiz, Versammlungsräume und
eine kleine Kirche entstehen. Mirbach gab sich im Frühjahr 1904 optimistisch, daß
man bis 1907/08 800.000 Mark für diese Auguste-Victoria-Stiftung auf dem Ölber-
ge zusammenbringen werde. Denn in Berlin war nach seinem Eindruck die Haupt-
arbeit bereits getan. Seit 1890 hatte der Verein den Bau von 73 neuen Gottes-
häusern unterstützt, davon waren 55 bereits fertig, 18 noch im Entstehen.
Mirbachs Rückzug aus der Vereinstätigkeit machte sich seit 1904 sofort im Nach- 

[19]

lassen des Spendenaufkommens bemerkbar. Doch der Verein ging von seinen Zie-
len nicht ab: In Berlin waren die begonnenen Kirchenbauten noch zu vollenden;
die drei Hauptaufgaben des Kirchenbau-Vereins lagen aber außerhalb der Haupt-
stadt: Es waren die Kirche in Gerolstein in der Eifel, der Ausbau der Erlöserkirche
in Bad Homburg v.d.H. und die Auguste-Victoria-Stiftung auf dem Ölberge bei
Jerusalem. Kosten erwuchsen dem Verein darüber hinaus für den Erhalt jener Bau-
ten, deren Eigentümer er geblieben war, wenn die Gemeinden die erforderlichen
Beträge nicht hatten aufbringen können. Daß ihm von einer Kölner Spenderin eine
Gabe von einer Million Mark für die Ölberg-Stiftung überreicht wurde, entlastete
ihn zwar, doch war die Ermüdung der Vereinsarbeit deutlich zu erkennen. Es fehl-
ten Mirbachs Energie, Beredsamkeit und Optimismus. Im Jahresbericht für 1907
wurde auf der 18. Generalversammlung zum Ausdruck gebracht, daß es kaum
möglich sein werde, daß ein so kleiner Verein auf die Dauer so bedeutende Opfer
bringen könne, wie er es in den ersten Jahren seines Bestehens getan habe.
Schließlich werde auch in Berlin, wenigstens für etliche Zeit, eine Ruhepause ein-
treten, die man in den leitenden Kreisen des Vereins auch schon seit Jahren erwar-
tet habe. Wenn jedoch einmal die Geschichte Berlins geschrieben werde, dann
dürfe auch dieser Verein nicht unerwähnt bleiben.
Nach der Aufgabe vieler ihm lieb gewordener Ämter wird für Mirbach die Über-

  

Kaiserin-Auguste-Victoria-Stiftung auf dem Ölberg bei Jerusalem


[20]

 

Zeichnung Mitbachs auf der Reise ins Heilige Land 1898

 

nähme des Kuratoriums der Kaiserin-Auguste-Victoria-Stiftung auf dem Ölberge
in Jerusalem 1907 eine gewisse Entschädigung bedeutet haben. Bei dieser Stiftung
handelte es sich - wie erwähnt - um ein Erholungsheim für Diakonissen, Geistli-
che und Missionsarbeiter, deutsche Beamte und ihre Familien sowie um eine Ver-
sammlungsstätte für Gemeinden und Anstalten und nicht zuletzt um eine Einrich-
tung zur Ausbildung junger Mädchen für häusliche Tätigkeiten. Die Stiftung war
also ein Hospiz und bot den Besuchern Jerusalems gastliche Aufnahme. Mehr als
zwölf Jahre, nachdem Mirbach anläßlich der Einweihung der Erlöserkirche 1898
das Kaiserpaar ins Heilige Land begleitet hatte und die ersten Pläne erörtert wor-
den waren, besuchten Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich von Preußen, Sohn und
Schwiegertochter Wilhelms II., den noch nicht vollendeten Gebäudekomplex in
Jerusalem, dessen Einweihung am 9. April 1910 mit einem Festgottesdienst in der
Himmelfahrtkirche gefeiert wurde. Die Teilnahme zahlreicher Ritter des Johanni-
terordens lenkte die Gedanken der Redner zurück in die Zeit der Kreuzzüge, als die
Johanniter im 12. Jahrhundert unfern der neuen Stiftung ein Spital gründeten, um
Pilger zu versorgen und Kranke zu pflegen. Als derzeitiger Herrenmeister des
Johanniterordens nahm Prinz Eitel Friedrich die neue Herberge unter seinen
Schutz. Kaiserswerther Diakonissen begannen mit diesem Tage offiziell ihren
Dienst an Gästen und Fremdlingen, denen die Stiftung zu einer Stätte der Begeg-

[21]

nung werden sollte. -Am 10. April fand im Beisein des Prinzenpaares und vieler
Johanniter und Malteser sowie hoher geistlicher Würdenträger die Einweihung der
Kirche Mariae Heimgang auf dem Berge Zion statt. Am 11. April trafen sich die
Gäste und Ehrengäste beider Konfessionen sowie Vertreter des Kaisers der Osma-
nen zu einem großen Festmahl im Ölberg-Hospiz. Über den Verlauf der „Deut-
schen Festtage im April 1910 in Jerusalem" ließ Mirbach ein Jahr später einen aus-
führlichen bebilderten Bericht drucken, ergänzt durch Baubeschreibungen von
Regierungsbaumeister Leibnitz und Baurat Hoffmann und eine Übersicht über die
entstandenen Kosten22). Sie lagen mit 2.505.000,- Mark mehr als 250.000,- Mark
über dem ursprünglichen Ansatz, verursacht durch die Lage des Bauplatzes, die
langen Wege beim Materialtransport und Witterungseinflüsse. Verglichen mit den
Berliner Vorhaben des Kirchenbau-Vereins hatten hier schwere und schwerste
Bedingungen geherrscht und den Fortgang der Arbeiten beeinflußt. Während die
Leitung der Anstalt beim Diakonissen-Mutterhaus in Kaiserswerth lag, besaß das
Kuratorium unter der Leitung Mirbachs die Oberaufsicht und die Pflicht, für die
Erhaltungs- und Betriebskosten der Ölbergstiftung zu sorgen.
Nach 1904 setzte Ernst von Mirbach die Aufarbeitung der Geschichte seiner

Erlöserkapelle in Mirbach/Eifel

[22]

Familie fort. Schon 1887 hatte er anläßlich der Gründung des Familienverbandes
einen „Überblick über die Geschichte des Geschlechts und Darstellung des Zusam-
menhanges der noch blühenden Linien" herausgegeben23), aber die Wurzeln seines
Interesses lagen weiter zurück, und zwar in zwei Reisen, die er als Knabe mit sei-
nem Vater in die Eifel unternommen hatte. Er schreibt darüber: „In einer flachen
Einsenkung erglänzte im Abendsonnenschein - mir wie ein Märchen aus längst
entschwundener Zeit - der für mich berühmteste aller Orte, der unseren Namen
„Mirbach" trug, am Fuße eines Hügels mit alter Kapelle, von deren Türmchen die
Glocken ertönten. Das Herz schlug mir höher. Ich betrat den geweihten Boden
meiner Ahnen, wo dieselben um das Jahr 400 mit den Franken eingewandert waren
und man ihre Spuren bis zu den Zeiten Karls des Großen hinauf verfolgen kann, als
sie zwischen 800 und 1000 sich wahrscheinlich unter den Lehnsleuten der von ihm
eingesetzten Gaugrafen von Are befanden"24). Später war Mirbach gern in die
damals noch kaum erschlossene Eifel zurückgekehrt. 1898 und 1902 erwarb er ein
Gelände von 40 Morgen des alten Stammsitzes und begann mit der Errichtung
einer kleinen Kapelle, für die der Architekt der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche,
Franz Schwechten, 1901 erste Pläne lieferte. 1902 wurde der Grundstein gelegt,
schon ein Jahr später die Einweihung gefeiert. Hierzu verfaßte Mirbach das reich
bebilderte Buch „Die Erlöser-Kapelle zu Mirbach in der Eifel. Die Burg Mirbach",
das später den zweiten Teil der Familiengeschichte bildete. Deren erster Teil kam
erst 1911 heraus, die „Geschichte des Geschlechts Mirbach", die er in ihrer paral-
lelen Entwicklung zur allgemeinen europäischen Geschichte darstellte. Die Fami-
liengeschichte ist ganz aus den Quellen gearbeitet. Jahrelang hatte er Archivalien
aufgespürt und zusammengetragen. Als „Urkundenbuch" zur Familiengeschichte
edierte er sie in zwei Abteilungen; 1918 lag das Werk vollendet vor25).
Im Februar 1914 bat Mirbach bei Hofe um seinen Abschied. Reich dekoriert, zum
Obertruchseß ernannt und mit der theologischen Ehrendoktorwürde der Univer-
sität Bonn ausgezeichnet, feierte er in seinem Potsdamer Hause am 24. Dezember
1914 den 70. Geburtstag. Die Schatten des Krieges beeinträchtigten das Fest; denn
seine vier Söhne, Familienmitglieder und Freunde standen im Felde. Im Sommer
noch war er in Belgien, der Heimat seiner Frau, gewesen; jetzt waren Reisen in das
Nachbarland nicht mehr möglich. Die unüberwindbare Grenze zum belgischen
Nachbarland, das wachsende Ausmaß der Zerstörung an den Fronten und das
furchtbare Blutvergießen verstärkten seinen Wunsch nach Frieden. Mirbach war
immer gern Soldat gewesen. Zu den Garde-Füsilieren, seinem Regiment, hielt er

[23]

 

Relief über dem inneren Portal der Erlöserkapelle in Mirbach (Zweiter von rechts: E. v. Mirbach)

 zeit seines Lebens Kontakt; bei feierlichen Anlässen trug er stets die Uniform.
Aber jetzt sehnte er das Ende des Krieges herbei. Als die Waffen endlich schwie-
gen, zerbrach auch die Welt, in der Mirbach bisher gelebt und zu der er im Inner-
sten seines Wesens gehört hatte. Dem kurzen Abschied von der Kaiserin vor ihrer
Abreise ins holländische Exil am 27. November 1918 an der Wildparkstation in
Potsdam folgte kein Wiedersehen26». 1921 starb sie in Haus Doorn; im Antiken-
tempel im Park von Sanssouci wurde sie beigesetzt.

In seiner Potsdamer Pfingstkirchengemeinde, im Pfingsthaus (Rettungshaus zur
Erziehung und Besserung sittlich verwahrloster Kinder)27', in Synoden und Ver-
einen war Ernst von Mirbach tätig, bis ihn die Kräfte verließen und der Tod ihn am
6. April 1925, wenige Monate nach dem 80. Geburtstag, von seinen Leiden erlöste.
In seiner Gedächtnisrede bei der Trauerfeier am 9. April hob Pfarrer Krummacher
die Verdienste des Verstorbenen um die Kirchenbauten und alle Arbeiten christ-
licher Liebestätigkeit hervor: „Wir wollen es ihm geloben an seinem Sarge, daß [24]

wir sein Andenken ehren wollen, nicht bloß mit Worten, sondern mit der Tat,
dadurch, daß wir die Werke der Kaiserin, die er mit ihr begründet und gepflegt hat,
zu erhalten suchen mit hingebender Treue." Mirbach ruht auf dem Bornstedter
Friedhof. Sein Leben hatte er unter den Wahlspruch des Geschlechts von Mirbach
gestellt: „Gläubig und beharrlich"28.

Fotos aus dem Besitz der Verfasserin und der Familie v. Mirbach. Die Außenansichten der drei ersten Kirchen der Kaiserin aus der Sammlung Elisabeth Stephani wie in Heft 7. Die Vorlage für das farbige Glasfenster aus der Pfingstkirche in Potsdam verdanken wir dem Kunstverlag PEDA/Passau; und ebenso die Abbildungen der Mosaiken aus der Turmhalle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (im heutigen Zustand) der Kirchengemeinde Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche.

 


1)    (Ernst von Mirbach)   Die drei ersten Kirchen der Kaiserin für Berlin   Erlöser-Kirche , Himmelfahrt-Kirche, Gnaden-Kirche (Als Manuskript gedruckt 1902) .

2)    Vera Frowein-Ziroff.  Die Kaiser-Wilhelm-GedächtniskircheEntstehung und BedeutungBerlinGebr. Mann Verlag (1982)  (Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin Beiheft 9 ), S. 41-46

3)    Ein Vergleich der Auflagen zeigt, daß es sich um erneuerte Zusammenstellungen und andere Nummernfolgen handelt.

4)    Geschichte des Geschlechtes Mirbach. Der Familie gewidmet von Ernst Freiherrn von Mirbach Teil I. Begonnen Potsdam 6. Juli 1910 Potsdam   Vereinsdruckerei (1911), S 2.

5)    GStAPK BPH Rep 8 Liste der Königlich Preußischen Kammerherren (nach dem Dato ihrer Bestallungen) Hier wird Mirhach als Eintragung 858 aufgeführt

6)    Geschichte des Geschlechtes Mirbach (wie Anm 4), S. 2.

7)    Denkschrift Mirbachs vom August 1904  In   CStAPK  1. HA Rep 89 Geheimes Zivilkabinett Nr 22090/2  Acta betr den Oberhofmeister der Kaiserin Freiherrn von Mirbach.

8)   Iselin Gundermann Kirchenbau und Diakonie. Kaiserin Auguste Victoria und der Evangelisch-Kirchliche Hilfsverein Berlin. Evangelischer Kirchenbauverein  (1992) (Hefte des Evangelischen Kirchenbauvereins).

7)   Fritz Mybes Der Evangelisch-Kirchliche Hilfsverein und seine Frauenhilfe Köln Rheinland-Verlag (1988)

9)    Herzogin Viktoria: Luise. Im Glanz der Krone. Göttingen-Hannover, Göttinger Verlagsanstalt (1967), S 165f

10)    Brief m GStAPK 1. HA Rep 89 (wie Anm 7)

11) Über die Walderseeversammlung u.a. Mirbach, Die drei ersten Kirchen der Kaiserin (wie Anm. 1}  Mybes, Der Evangelisch-Kirchliche Hilfsverein  (wie Anm. 8) - Dietrich van Oertzen: Adolf Stoecker Lebensbild und Zeitgeschichte Bd l. 2. Aufl. Berlin Vaterländ. Verlags-, und Kunstanstalt 1911, S 373-401.

12) Abgedruckt in Mirbachs Denkschrift des Evangelischen Kirchenbau-Vereins für Berlin zu seinem fünfzehnjährigen Bestehen 1890 - 2, Mai 1905. Den Mitgliedern und Freunden des Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins. Berlin o J (1905), sowie in Denkschrift und 17 Jahresberichte des Evangelischen Kirchenbau-Vereins für Berlin Bd I (Berlin) 1905

13) Einst von Mirbach Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Dem Engeren Ausschuß des Evangelische Kirchlichen Hilfsvereins, dem Vorstande des Kirchenbauvereins, der Gemeinde, den Freunden und Förderern des Kirchenbaues zum 22 März 1897. Berlin Mittler & Sohn 1897, S 31

14)    Mirbach  Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche (wie Anm  13) S. 129

15)    Denkschrift und 17 Jahresberichte (wie Anm  12). S. 772.

16)    Denkschrift 1904 (wie Anm  7). S 34

17)    Ein Exemplar des gedruckten Aufrufs in den Akten des Geheimen Zivlkabmells (wie Anm . 7)  Dort auch die Korrespondenzen und Zeitungsausschnitte zum „Fall Mirbach".

18)    Bernhard Fürst van Bülow: Denkwürdigkeiten Bd. 1: Vom Staatssekretariat bis zur Marokko-Krise. Hrsg  von Franz von Stockhammern Berlin: Ullstein (1930), nach S. 248.

19)    Mirbach an Lucanus, 23.August 1904, in den Akten des Geheimen Zivilkabinetts (wie Anm 7) Dort auch das eigenhändige Schreiben der Kaiserin.

20}    Denkschrift und 17 Jahresberichte (wie Anm 12), S. I260f

2l)     (Ernst von Mirbach ) Das deutsche Kaiserpaar im Heiligen Lande im Herbst 1898. Mit Allerhöchster Ermächtigung Seiner Majestät des Kaisers und Königs bearbeitet nach authentischen Berichten und Akten Berlin. Mittler & Sohn 1899 - Thomas Buske, Thron und Altar. Die Rolle der Berliner Hofprediger im Zeitalter des Wilhelmimsmus. Neustadt/Aisch 1970. S 114-117

22)    Die deutschen Festtage im April 1910 in Jerusalem. Die Einweihung der Kaiserin-Auguste-Victoria-Stiftung mit der Himmelfahrtskirche auf dem Oelberge und der Kirche Mariae Heimgang auf dem Zion. Potsdam (1911).

23)  Ernst von Mirbach, damals noch Kammerherr, gehörte dem Vorstand des Verbundes als Schriftführer und Kassenverwalter an.

24)    Geschichte des Geschlechtes Mirbach (wie Anm. 4). S. 188.

25) Geschichte des Geschlechtes Mirbach.  Teil 2: Die Erlöser-Kapelle zu Mirbach in der Eifel. Die Burg Mirbach. Berlin: Julius Sittenfeld 1903. - Geschichte des Geschlechtes Mirbach. Der Familie gewidmet von Ernst Freiherrn von Mirbach. Teil 3: Die Urkunden und Nachrichten über das Geschlecht Mirbach. Abt. 1-3. Berlin: Julius Sittenfeld 1911-1918.

26)    Mathilde Gräfin von Keller: Vierzig Jahre im Dienst der Kaiserin. Ein Kulturbild aus den Jahren 1881-1921. Leipzig: Koehler & Amelang (1935), S. 338.

27)  Ernst von Mirbach: Das Pfingsthaus, die Pfingst-Kapelle zu Potsdam und der Pfingst-Kapellen-Verein, Zweigverein des Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserein und Königin. Berlin 1898. – Neuere Darstellung über die Geschichte der Pfingstkirche bis zur Gegenwart: Andreas Kitschke und Brigitte Grell: Die Pfingstkirche zu Potsdam. Passau: Kunstveralg Peda 1994. (Peda-Kunstführer Nr. 141/1994)

28) Die Gedächtnisrede bei der Trauerfeier für Seine Exzellenz den Obertruchseß E. Freiherr von Mirbach am 9. April 1925 in der Kaiserin Auguste Viktona-Gedächtniskirche m Potsdam, gehalten von Pfarrer Krummacher, wurde mir von Herrn Dr E D Baron von Mirbach, Bovenau zugänglich gemacht.  Ihm und Frau Gabriele von Mirbach, Berlin, danke ich für Anregungen und Hinweise - Abbildung des Mirbachschen Wappens und des Wahlspruchs in DieFreiherren und Grafen von Mirbach. Ueberblick über die Geschichte des Geschlechts und Darstellung des Zusammenhanges der noch blühenden Linien nebst Angabe der Mitglieder derselben. Nach urkundlichem Material zusammengestellt von Ernst Freiherr von Mirbach, Berlin Mittler & Sohn 1887, vor dem Titelblatt - Eine zusammenfassende biographische Darstellung Mirbachs fehlt, die Angaben in den genealogischen Nachschlagewerken müßten ergänzt und teilweise berichtigt werden Jüngste Würdigung Klaus Schlegel Ernst Freiherr v.  Mirbach. Initiator denkwürdiger Kirchenbauten - Mit dem Kaiserpaar auf große Fahrt ins Heilige Land. In Johanniter-Orden H 2 Juni 1987, S I

 

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